Lüftung

 

EnEV

Anforderungen an den Baubestand sind in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgeschrieben. In der EnEV sind zur Einsparung von Energie in Gebäuden Anforderungen an die Heizung definiert und Nachrüstverpflichtungen festgeschrieben. 

 

§ 6 Dichtheit, Mindestluftwechsel

Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. ...

Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist.

 

 

DIN 4108-2:2013-02

Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz

 

§ 4.2.3 Hinweise zur Luftdichtheit .... und zum Mindestluftwechsel

Die Außenbauteile müssen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik luftdicht ausgeführt werden. Sie tragen in keinem Fall zum erforderlichen Luftaustausch bei.

Auf ausreichenden Luftwechsel ist aus Gründen der Hygiene, der Begrenzung der Raumluftfeuchte sowie gegebenenfalls der Zuführung von Verbrennungsluft ... zu achten. Dies ist in der Regel der Fall, wenn während der Heizperiode ein auf das Luftvolumen innerhalb der Systemgrenze bezogener durchschnittlicher Luftwechsel von 0,5 h-1 bei der Planung sichergestellt wird.

 

 

DIN 4108-3

„Wände und Dächer müssen luftdicht sein, um eine Durchströmung und Mitführung von Raumluftfeuchte, die zu Tauwasserbildung in der Konstruktion führen kann, zu unterbinden."

 

 

DIN 1946-6:2009-05

Raumlufttechnik - Teil 6: Lüftung von Wohnungen - Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung

 

Lüftungskonzept

Ein Lüftungskonzept muss erstellt werden, wenn bei einem

  • Mehrfamilienhaus 1/3 aller Fenster ausgetauscht werden

  • Einfamilienhaus 1/3 aller Fenster ausgetauscht werden oder mehr als 1/3 der Dachfläche abgedichtet wird.

Die Lüftung zum Feuchteschutz (Schimmelvermeidung) muss 24 Stunden nutzerunabhängig (vgl. Gerichtsurteile) sichergestellt werden.

Der wichtigste Punkt dieser Norm soll eine einfache Frage beantworten helfen:

Wird das neue oder modernisierte Gebäude über die Gebäudeundichtigkeiten (Infiltration) ausreichend belüftet und welche zusätzlichen, lüftungstechnischen Maßnahmen (LTM) sind notwendig, um nutzerunabhängig einen ausreichenden Luftwechsel zu gewährleisten?

Ist der Luftvolumenstrom über Infiltration geringer als der Luftvolumenstrom zum Feuchteschutz müssen Lüftungstechnische Maßnahmen nach dieser Norm zwingend eingesetzt werden.

Die Norm fordert den Nachweis für vier Lüftungsstufen, die bei unterschiedlichen Nutzungsbedingungen einen ausreichenden Luftwechsel sicherstellen.

 

Gemeinsamer Betrieb von Feuerstätten und Lüftungsanlagen

Bei dem Betrieb von raumluftabhängigen Feuerstätten mit Lüftungsanlagen wird unterschieden zwischen:

  • Wechselweiser Betrieb,
    dies setzt eine Sicherheitseinrichtung voraus, die sicherstellt, dass die Lüftungsanlage nicht in Betrieb ist, wenn die Feuerstätte betrieben wird.

  • Gemeinsamer Betrieb,
    dies setzt eine Sicherheitseinrichtung voraus, welche die Lüftungsanlage bzw. eine „schnell abschaltbare Feuerstätte" abschaltet, wenn ein gefährlicher Unterdruck im Aufstellraum der Feuerstätte entsteht.

    Die Sicherheitseinrichtung für den gemeinsamen Betrieb benötigt einen allgemeinen Verwendbarkeitsnachweis z.B. eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.

 

 

DIN 18017-3

Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster - Teil 3: Lüftung mit Ventilatoren

Die DIN 18017-3 gilt für Entlüftungsanlagen mit Ventilatoren zur Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster in Wohnungen und ähnlichen Aufenthaltsbereichen, z.B. Wohneinheiten in Hotels. Andere Räume innerhalb von Wohnungen, z.B. Küchen oder Abstellräume, können ebenfalls über Anlagen nach dieser Norm entlüftet werden.

Hinweis:

Die Lüftung von fensterlosen Küchen ist in der "Bauaufsichtlichen Richtlinie über die Lüftung von innenliegenden Ablufträumen" bzw. DIN 1946-6 enthalten.

Entlüftungsanlagen zur Entlüftung von Bädern (mit/ohne WC) können wahlweise, je nach Ausführungsart und Betriebsweise für folgende planmäßige Mindest-Abluftvolumenströme [qv] ausgelegt werden:

  • 40 m³/h
    Der Volumenstrom muss dauernd abgeführt werden.1)

  • 60 m³/h
    Bei bedarfsgeführten Anlagen während der Nutzung.2), 3)

1) Der Volumenstrom darf in Zeiten geringen Luftbedarfs (z.B. nachts), jedoch nicht mehr als 12 Stunden/Tag, auf 20 m³/h reduziert werden.

2) Der Volumenstrom darf in Zeiten geringen Luftbedarfs (z.B. nachts) auf einen Tages-Mittelwert von 15 m³/h reduziert werden. Ausgenommen sind Küchen und Kochnischen. Ein Intervallbetrieb mit einer maximalen Ventilator-Stillstandszeit von 1 h ist zulässig.

3) Bei normaler Nutzung eines Bades (z.B. ohne zusätzliche Wäschetrocknung) oder eines Toilettenraumes darf der Abluftvolumenstrom in Zeiten geringen Luftbedarfs auf 0 m³/h reduziert werden, wenn das Gebäude einem Wärmeschutzstandard der min. den Anforderungen der Wärmeschutzverordnung 1995 oder besser entspricht. Nach jedem Ausschalten des Lüftungsgerätes sind weitere 15 m³ Luft abzuführen.

Bei Toilettenräumen dürfen die genannten Abluftvolumenströme halbiert werden. Ich empfehle aufgrund des schnelleren Geruchsabtransportes jedoch die gleichen Volumenströme wie für die Bäder anzuwenden.

Für Kochnischen und Küchen Fenster gelten die Abluftvolumenströme für Bäder. Siehe hierzu auch die Volumenstromangaben der DIN 1946-6.

 

Musterbauordnung (MBO)

§ 43 Sanitäre Anlagen, Wasserzähler

(1) Fensterlose Bäder und Toiletten sind nur zulässig, wenn eine wirksame Lüftung gewährleistet ist.

§ 48 Wohnungen

(1) Jede Wohnung muss eine Küche oder Kochnische haben. Fensterlose Küchen oder Kochnischen sind zulässig, wenn eine wirksame Lüftung gewährleistet ist.

 

Bauaufsichtliche Richtline über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen

Jeder fensterlose Raum muss unmittelbar durch eine mechanische Lüftungsanlage entlüftet werden können und eine Zuluftversorgung haben. Die der Zuluftversorgung und Entlüftung dienenden Anlagen und Einrichtungen müssen eine Grundlüftung der fensterlosen Räume, in Küchen zusätzlich eine Stoßlüftung ermöglichen. Die Lüftungsanlage muss so ausgeführt werden, dass bei Grundlüftung in der Wohnung keine Zugbelästigungen entstehen und keine Gerüche in andere Räume übertragen werden. Alle fensterlosen Räume der Wohnung müssen gleichzeitig gelüftet werden können.

 

Baurecht

"Erfordern die allgemein anerkannten Regeln der Technik in Wohnungen eine kontrollierte Lüftung? Haftungsrisiken bei Wohnräumen ohne Lüftungsanlagen"

Laut diesem Rechtsgutachten des VfW kann schon heute in Zweifel gezogen werden, ob die Sicherstellung des notwendigen Luftaustausches nur über Fensterlüftung noch den Regeln der Technik entspricht.

Hier bewegt sich die Baubranche derzeit noch in einer rechtlichen Grauzone.
Das ist insofern problematisch, als der Auftragnehmer zum Zeitpunkt der Abnahme ein mangelfreies Werk schuldet, die Regeln der Technik sich aber im Laufe des Bauvorhabens ändern können.

Nach Einschätzung der Rechtsexperten werden kontrollierte Lüftungsanlagen zu einem nicht näher zu bestimmenden Zeitpunkt im Wohnungsbau zu den anerkannten Regeln der Technik gehören und somit schon nach allgemeinen Grundsätzen vorzusehen sein.

 

Privatrecht

Landgericht Lüneburg, Urteil vom 22.11.2001 Az 6.S 70/00

„Diese Obliegenheit des Mieters zur Vermeidung von Schimmelbildung und Feuchtigkeit findet ihre Grenze dort, wo unzumutbare Anstrengungen verlangt werden. ..... Einem Mieter ist es auch nicht zuzumuten mehrmals am Tag im Abstand von wenigen Stunden stoß zu lüften."

AG Bochum WuM 1988,354:

„Eine Wohnungslüftung im Abstand von 3 bis 4 Stunden ist nicht zumutbar".

AG Hamburg WuM 1988,357:

„Dem Mieter kann ein mehr als zweimaliges Lüften am Tag nicht zugemutet werden."

OLG Frankfurt am Main:

Abwesenheit der Mieter bis 12h am Tag ist üblich. Fensterlüftung ist nur je einmal morgens und abends zumutbar.

Problem:

2-mal Lüften über Fenster je Tag reicht bei üblicher Wohnungsnutzung in vielen Fällen nicht zur notwendigen Entfeuchtung der Wohnung.

Fensterlüftung alle zwei Stunden...

 

EEWärmeG

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz schreibt vor, dass Eigentümer neuer Gebäude einen Teil ihres Wärmebedarfs (und Kältebedarfs) aus erneuerbaren Energien decken müssen.

Eine Ventilator gestützte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung kann als Ersatzmaßnahme eingesetzt werden, wenn mindestens 50% des Wärmeenergiebedarfs gedeckt werden, ein Wärmerückgewinnungsgrad von >= 70% und eine Leistungszahl von mindestens 10 sichergestellt ist. 

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